In diesen Tagen stellt das Regionale Standortmarketing sein neues Marketingkonzept für die Region Fulda vor. Grund genug für die Verantwortlichen, Landrat Bernd Woide, Oberbürgermeister Gerhard Möller und IHK Präsident Bernhard Juchheim, eine Rückschau auf die vergangenen zehn Jahre zu halten. Ende der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einigten sich die Vertreter der Region auf ein einheitliches Zielkonzept, dass als zentrales Element die Integration aller politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte der Region vorsah.
Langes Bohren dicker Bretter
Rückblickend sind sich Landrat, Oberbürgermeister und IHK Präsident einig, dass dieser Integrationsprozess erfolgreich gelungen ist. Oberbürgermeister Gerhard Möller:“Das vor allem in der Politik bekannte lange Bohren dicker Bretter war letztlich auch eines der Erfolgsrezepte des Standortmarketings.“ In unzähligen Gremiensitzungen der Leitungsgruppe und der einzelnen Fachgruppen brachten mehr als 150 Vertreter der Gemeinden, der Wirtschaftsverbände und anderer Interessenvertretungen aber auch der öffentlichen Verwaltungen ihre Wünsche und Anregungen ein. Dadurch ist, so Landrat Bernd Woide, eine runde Sache entstanden, in der sich alle wiederfinden. Zehn Jahre Standortmarketing haben eine Struktur der kurzen Wege und ein Klima des Vertrauens gebracht. Dieser Erfolg wird laut IHK Präsident Bernhard Juchheim oftmals unterschätzt. Der Blick in andere Regionen verdeutliche, dass eine solche Einigkeit ein eher seltener Fall sei.
Erfolge im Binnenmarketing
Viele Aktivitäten des Standortmarketings haben sich verständlicherweise nach innen gerichtet. Auf dem Programm standen Themen wie Existenzgründungs- und Ausbildungsförderung oder auch die Schaffung von aktiven Kooperationsnetzwerken. Mit großem Aufwand, so IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck, wurde eine Lehrunterlage zur Ökonomischen Bildung geschaffen, um schon in den allgemeinbildenden Schulen die Grundlagen für ein wirtschaftliches Verständnis zu legen. Die Lehrunterlage sei von zahlreichen Industrie- und Handelskammer bundesweit verwendet worden. Einen besonderen Verdienst, nicht nur an der Umsetzung der Bildungsinitiativen, sondern bei der Verwirklichung des gesamten Standortmarketingprozesses, und da sind sich alle Verantwortlichen einig, habe sich der Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Fulda, Helmut Sorg, erworben, der lange Jahre lang als unermüdlicher Motor fungierte.
Oberbürgermeister Gerhard Möller sieht im ITZ-Fulda ein ebenfalls erfolgreiches Beispiel für die Arbeit des Standortmarketings. Hier seien in der Zwischenzeit mehr als 250 Arbeitsplätze entstanden. Das ITZ vereine in seinem Kern Politik, Hochschule und Wirtschaft. Viele Wege, so Landrat Bernd Woide, konnten erst beschritten werden, weil das Standortmarketing verlässliche Strukturen geschaffen hatte. So konnten innerhalb kürzester Zeit nachhaltige Projekte, wie der Bau der Autobahnabfahrt Fulda-Mitte oder die Schaffung des regionalen Breitbandberaters verwirklicht werden.
Außenmarketing Stärken
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Region Fulda immer mehr zu einer wirtschaftlich starken Technologieregion entwickelt. Mit dem Verein Zeitsprung und dem Verein Engineering-High-Tech Cluster e.V., sind nach den Worten von IHK-Präsident Bernhard Juchheim, leistungsfähige Netzwerke entstanden, die über die Grenzen der Region hinaus das Bild der Technologie-Region prägen und eng mit dem Standortmarketing verzahnt sind. Nach ersten medialen Schritten im Außenmarketing mit dem Auslegen des Standortatlasses in den ICE Abteilen der 1.Klasse, mit großflächen Plakaten auf dem Fuldaer Bahnhof und einem Investoren Forum im ITZ-Fulda, hat sich die Region mit großem Aufwand viermal auf der größten europäischen Gewerbe-Immobilien-Messe, der Expo Real in München, präsentiert. Damit ist, so Oberbürgermeister Gerhard Möller, der Schritt auf die nationale und internationale Bühne erfolgt. Die Region Fulda, wird nach den Worten von Landrat Bernd Woide, heute gleichberechtigt mit den übrigen Regionen Nord-Hessen, Mittel-Hessen und Rhein-Main wahrgenommen „und das auf Augenhöhe“.
Professionalisierung für die Zukunft
Aufbauend auf den Erlogen der ersten zehn Jahre des Standortmarketings, möchte sich die Region Fulda im Standortmarketing weiter professionalisieren. Dazu wurde vor eineinhalb Jahren ein Markenbildungsprozess eingeleitet. Die Professor Brandmeyer Markenberatung aus Hamburg hat die Stärken der Region untersucht und daraus ein Kommunikationsmuster für die Region Fulda entwickelt. Die Vorstellung dieser Markenkampagne wird jetzt mit Spannung erwartet. Wichtige Herausforderungen für die Zukunft liegen im Bereich der Wirtschaftsförderung. „Einige unserer Mitgliedsunternehmen sind Teil großer multinationaler Konzerne. Diese Niederlassungen müssten sich jedes Jahr neu im internationalen Wettbewerb beweisen. Da ist es besonders wichtig, die Stärken der eigenen Region zu kennen und kommunizieren zu können.“ Als große Herausforderung sieht Juchheim auch die Fachkräftethematik. Nur wenn es gelinge, die Region Fulda weiterhin als leistungsfähige und zukunftsträchtige Technologie-Region zu präsentieren, würden sich auch ausreichend qualifizierte Fachkräfte für einen Arbeitsplatz in der Region entscheiden.
Landrat Bernd Woide sieht den Landkreis nicht nur im Wettbewerb um Unternehmen, sondern insbesondere auch im Wettbewerb um Einwohner. Aufgabe des Standortmarketings sei es, hier in Zukunft Strukturen und Netzwerke zu schaffen, die nicht nur Perspektiven für das Verbleiben der Einwohner in der Region, sondern auch für den Zuzug neuer Einwohner gäben. Oberbürgermeister Gerhard Möller sieht schließlich auch den Kostenaspekt. Professionalisierung, so Möller, bedeute nicht, dass mit Millionenaufwand überregional geworben werden kann. Möller: „ Wir sind stolz darauf, die bisherigen Erfolge quasi mit Bordmitteln erreicht zu haben.“ Wir werden diesen bodenständigen Weg auch in Zukunft nicht verlassen.