Alte Handwerkskunst, neue Technik - Seifenküche Hainzell

Im Jahr 2013 gründete Michael Knoth mit seiner Frau Victoria in Hosenfeld-Hainzell eine Manufaktur für naturkosmetische Produkte, zunächst nebengewerblich. „Die Grundidee hatte meine Frau“, erzählt Michael Knoth, „denn sie wollte  Pflegeprodukte ohne unnötige Chemie und Konservierungsstoffe herstellen. In unserer Waschküche fing damals alles an.“

 

 

Die Palette an Naturseifen, ätherischen Ölen, Badesalzen und Co. ist im Laufe der Jahre kontinuierlich gewachsen. „Wir sind mit zwölf Rezepturen gestartet, mittlerweile sind es 80.“ Produziert wird nach dem traditionellen Kaltverfahren, die Rezepturen stammen teils aus dem Mittelalter. „Wir haben alte Handwerkskunst in die heutige Zeit transferiert, sozusagen `Mittelalter 4.0´.“

Rund 90 Prozent des Verkaufs richten sich an gewerbliche Kunden. Neben Markt-, Hotel- und Werbeseifen werden für ein besonderes Dufterlebnis auch Seifen mit Eigenprodukten wie Kaffee oder Bier hergestellt. Privatkunden können im Manufakturverkauf oder im Online-Shop aus dem großen Sortiment wählen.

Victoria und Michael Knoth entwickeln immer weitere Produkte, zum Beispiel kürzlich eine Lippenpflege mit Honig, die auch individualisiert mit dem eigenen Honig der Benediktinerinnenabtei zur Hl. Maria im Klosterladen Fulda verkauft wird. Übrigens, jedes Produkt wird von einem Prüflabor getestet, bevor es in den Verkauf geht.

„Zum Jahreswechsel bieten wir ein deutschlandweit einzigartiges exklusives Produkt ausschließlich für den privaten Gebrauch an, dass mit einem Partnerbetrieb in Münster entwickelt wurde“, so Michael Knoth. Mehr wird allerdings noch nicht verraten.

Weil viele Kunden wissen wollten, wie die Seifenmanufaktur arbeitet, werden seit drei Jahren als weiteres Standbein Seminare rund um die Naturkosmetik angeboten. Dazu wurde der ehemalige Stall, in dem die Produkte auch verkauft werden, in einen gemütlichen Seminarraum mit Fachwerkflair umgestaltet. „Hier können wir jetzt mit Seife richtig ‚rumsauen‘“, schmunzelt Knoth.

Im vergangenen Jahr begrüßte die Seifenküche rund 800 Besucher, berichtet Knoth, der sich schon auf die nächsten Seminare nach Corona freut. „Auch in Corona-Zeiten stehen wir auf gesunden Füßen, dank einem wachsenden Kundenstamm und einem gesunden Firmenwachstum durch Reinvestition“, betont der Unternehmer.

 

 

Rasante Entwicklung

 

Das Ehepaar investiert kontinuierlich. In diesem Jahr wurde die Produktionsstätte in die Etage über dem Seminarraum verlegt und die digitale Infrastruktur umfangreich ausgebaut. Bis zur Auslieferung muss eine Seife bis zu sechs Wochen durchreifen. Dieser Prozess wird inzwischen komplett digital mit Messsonden gesteuert und überwacht. Sehr gefragt bei Unternehmen sind übrigens Seifen mit individuell eingeprägtem Firmenlogo, die Prägeplatten werden heute selbst im 3D-Druckverfahren hergestellt, so Knoth.

Die Rezepte der Mitmachangebote in der Seifenküche, die auch Mitglied bei „wertfoll“, der regionalen Vermarktungsinitiative für erlesene Produkte ist, können die Teilnehmer jetzt direkt per Tablet abrufen. In einem eigenen Video erklärt eine „Seife“ kompetent und humorvoll, wie sie entsteht. Nicht zuletzt wurde in ein modernes Konzept für Lichttechnik investiert.

 

 

Nachhaltig und regional

 

Die Herstellung von Naturprodukten unter nachhaltigen Rahmenbedingungen bestimmt die Unternehmensphilosophie. „Die natürlichen Zutaten stammen aus vertrauenswürdigen Quellen, eine transparente Rückverfolgung ist möglich“, unterstreicht der 35-Jährige. Die Produkte werden in recycelbaren Umverpackungen verpackt. Nicht zuletzt liefert eine eigene Photovoltaik-Anlage einen großen Teil der benötigten Energie.

 

 

Hessischer Demografie-Preis

 

Seine große Verbundenheit zur Region zeigt der 35-Jährige auch mit einem „Lieferservice für Regionalprodukte“. Die Plattform zum Neuaufbau der Grundversorgung mit regionalen Produkten im westlichen Landkreis Fulda und angrenzenden Vogelsberg entstand 2018/2019 gemeinsam mit sechs weiteren familiengeführten Unternehmen unter seiner Federführung. 2019 wurde das Projekt mit dem ersten Platz des Hessischen Demografie-Preises ausgezeichnet.

 

 

Michael Kiel, www.region-fulda.de / WRF