28.10.2019

Die Hanf-Prohibition überwinden und den seelischen Husten bekämpfen - 13. Fuldaer Innovationsabend mit interessanten Geschäftsideen

Kurzweilig und interessant war der 13. Fuldaer Innovationsabend, den die Region Fulda GmbH im ITZ Fulda veranstaltete. Fünf junge Unternehmen mit teilweise ungewöhnlichen Geschäftsideen gaben ihre Visitenkarten ab vom Coffee-Bike aus dem Vogelsberg über eine Exist-Stipendiatin der Hochschule Fuldas, eine Gesundheitsschmiede und drei Hanf-Pionieren bis zur zertifizierten Waldbademeisterin.

 

Gut 70 interessierte Besucher konnte Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH begrüßen. Und er wartete auch gleich mit einer guten Nachricht auf. Der Landkreis Fulda ist laut hessischem Gründerreport mit einer Gründerquote von 6,14 Prozent nur noch an vorletzter Stelle in Hessen und hat damit den Lahn-Dill-Kreis überholt. Burkard sieht dies als Ansporn, die Gründerförderung in der Region weiter zu intensivieren.

 

Dass das Vogelsberger Wasser für einen guten Espresso zu weich ist, betonte Holger Kreb, der von Landenhausen aus das Coffee-Bike Fulda betreibt, eines von etwa 200 in Deutschland. „Wir liefern Bioqualität von der Bohne bis zum Becher“, sagte der Barista. Sein Coffee-Bike ist dabei sowohl indoor als auch outdoor nutzbar. Die Arbeit der Alltagshelden auf den Bauhöfen mit maßgeschneiderten IT-Lösungen erleichtern möchte Elina Schäfer von der Elfgaben UG. Die Exist-Stipendiatin der Hochschule Fulda hat  Elektrotechnik und Informationstechnik studiert und mit dem Bauhofweb eine digitale Auftragsverwaltung programmiert, die bereits bei der Gemeinde Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) im Einsatz ist. „Das Waldbaden als Medizin gegen das seelische Husten“, stellte Stephanie Mahr vor, die als erste zertifizierte Waldbademeisterin in der Region ihre Dienste anbietet. Der Trend des Waldbadens stammt nach den Worten von Mahr aus Japan. Im Land der aufgehenden Sonne nahmen die Waldbademeister dabei Anleihen an die Lehren von Sebastian Kneipp. Stephanie Mahr bietet die achtsamen Waldspaziergänge sowohl für Einzelpersonen als auch Gruppen an.

 

Die größte Hürde beim Hanfanbau ist die Bürokratie. Diese Erfahrungen mussten die drei Gründer von Green-Pioniers, Kerim Viebrock, Philipp Gärtner und Marc Graf machen, die in diesem Jahr ihre erste Ernte von sechs Hektar Hanffeldern eingebracht haben. Aus den Stengeln, Samen und Blüten wollen die drei Hanfspeiseöl, Hanfmehl, Aromaöl aus Hanfblüten und Massageöle mit Extrakten aus Hanfblättern herstellen und vertreiben. Alle Schritte sind mit der Bundesopiumstelle abgestimmt. Denn, so Gärtner, „die Zeit der Canabis-Prohibition, die 1961 begonnen hat, ist erst 2017 zu Ende gegangen“. Seitdem sei wertvolles Wissen über den Anbau und die Verarbeitung der Nutzpflanze Hanf verloren gegangen, dass sich die Green-Pioniers erst nach und nach wieder aneignen müssten. Dabei arbeiten sie auch an automatisierten Trocknungssystem und einer speziellen Erntemaschine. Mittlerweile acht Beschäftigte zählt die Gesundheitsschmiede Neuhof, die vor zwei Jahren von den beiden Physiotherapeutinnen Mattea Heil und Miriam Benkner-Andre gegründet wurde. Die beiden Schul- und Handballfreundinnen haben nicht nur in kürzester Zeit einen hohen Auslastungsgrad erzielt, sondern sich auch intensiv mit den Unternehmen und Vereinen in ihrer Heimatregion vernetzt. „Wir mögen Menschen einfach zu gern, als dass wir nur den Profit sehen“, beschreibt Mattea Heil die Firmenphilosophie der Gesundheitsschmiede, die vor wenigen Wochen den ersten Gründerpreis der Gemeinde Neuhof gewann.