23.09.2021

Dirt-Torpedo baut Tunnelbohrmaschine für Elon Musk

Das Team von „Dirt Torpedo“ bewegt sich auf die Zielgerade. Seit ca. einer Woche verweilen die 11 Jungs, die hinter der Idee des „Dirt Torpedos“, der eventuell schnellsten Tunnelbohrmaschine der Welt, stecken in Las Vegas. Auf diese Tage haben die Jungs weniger als ein Jahr hingearbeitet. Am Sonntag, den 12. September 2021 um 09.00 Uhr Ortszeit ist es soweit. Dann werden sie ihre Tunnelbohrmaschine in einer ca. 5 Fuß tiefen Grube inmitten der Glücksspielmetropole Las Vegas versenken. Sie soll sich in der Geschwindigkeit und Genauigkeit gegenüber den Konstruktionen der anderen 11 internationalen Teams durchsetzen. Von den 12 Finalisten sind nur 8 angereist. Darunter 2 deutsche Teams. Der Bohrer, der als erster das Zielloch in 30 Meter Entfernung erreicht, gewinnt.

„Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass wir, dass unser Dirt Torpedo den Herausforderungen gewachsen ist“, erklärt Teamleiter Adrian Fleck. Vor Ort angekommen sind die Jungs nicht wie üblich in Vegas, ins Casino gesprungen, sondern haben die Baumärkte von Vegas unsicher gemacht. Material, Notwendigkeiten und Equipment musste her. Seit Montag dürfen Sie auf das Gelände der „Boring Company“.

Bei täglich 42 bis 45 Grad Celsius arbeiten die Jungs auf der „Dig-Site“ wie die „Boring Company“ die Wettbewerbsfläche nennt. Niemand anderes als der Multimilliardär Elon Musk steckt hinter dem Wettbewerb „Not-a-Boring-Competition“. Sein Ziel ist es, den Straßenverkehr in Großstädten mit autonomen Fahrzeugen unterirdisch zu legen. In Vegas hat er mit seiner “Boring Company“ bereits eine Teststrecke gebaut und sich als Ziel für die kommenden 2 Jahre ein 30 km langes Tunnelsystem unterhalb der Hotelmetropole gesetzt. Eine Teststrecke, den sogenannten Vegas Loop, hat er bereits erfolgreich gebohrt. Das „Dirt Torpedo“-Team war zu Beginn der Competition eingeladen mit dem in Europa noch nicht gelaunchten Tesla Y, den Vegas Loop zu fahren. Für die Öffentlichkeit ist dieses Projekt nicht zugänglich. Elon Musk hat hier sensible und vertrauliche Einblicke gewährt. „Das war ein einmaliges Erlebnis. Hinter diese Kulissen schauen zu dürfen ist ja nun mal nicht jedem möglich.“, so Martin Will aus Dipperz.

„Elon Musk ist ein echter Visionär“, so Adrian Fleck aus Langenbieber. Die Jungs sind stolz nun bei stehender Hitze die Maschine zusammen bauen zu dürfen und mit ihr in wenigen Tagen in der Probe zu bohren.  

Vor Ort wird klar, dass die Unterstützung vieler Unternehmen dieses Projekt möglich gemacht haben. Ganz gleich ob überregionale Firmen oder kleine Fertigungsbetriebe. Die Dankbarkeit steht den Jungs ins Gesicht geschrieben. Wirtschaftsförderung der Region Fulda GmbH hat dem Team Florian Albinger zur Unterstützung im Bereich Kommunikation mitgeschickt. „Motiviert sind sie. Oh, und großes Durchhaltevermögen haben sie. Bei diesen Hitze-Bedingungen diese körperliche Arbeit auszuhalten. Hut ab“, so Albinger. Er hat für Familie, Freunde und Fans der „Dirt Torpedos“ einen 

Live-Ticker eingerichtet. So wird der Anhang der Jungs ins ganz Deutschland täglich mit Fotos und Videos versorgt.

Die „Dirt Torpedos“ haben sich vor Ort eine Zentrale aufgebaut, in der die 3 Programmierer sitzen am letzten Feinschliff der Codierung sitzen. Die Laptops überhitzen in regelmäßigen Abständen. Zur gleichen Zeit wird die Maschine von den 6 Mechanikern montiert und von den beiden Elektronikern der „Kabelsalat“ im Inneren der Maschine verlegt. Gute Laune und ein super Arbeitsklima herrscht in der Panik-Zentrale, wie Martin Will das Dirt Torpedo Lager nennt. „Wir freuen uns über jeden Interessenten, der anderen Teams. Sie schauen bei uns vorbei und möchten über unsere Konstellation mehr erfahren“, so Daniel Klassen aus Steinbach. Mitstreiter aus der Schweiz, England oder Indien besuchen die jungen Entwickler mit neugierigen Blicken. Je mehr die Tunnelbohrmaschine wieder ihre Form annimmt, so größer die neugieren Augen der benachbarten Teams.

Zurzeit tüfteln die Jungs noch an der ein oder anderen Problematik im Bereich Codierung und Befestigung des Bohrers in der Start-Grube. „Kleine Unachtsamkeiten können schnell zu größeren Fehlern werden“, sagt Fleck ganz tiefenentspannt.

Mit einer Geschwindigkeit von circa von 2,5 Millimetern pro Sekunde soll sich die Tunnelbohrmaschine mit Ihren 1,2 Tonnen und 4,2 Metern am Sonntag durch die Mojave-Wüste bohren. 

 

UPDATE: 
 

Ein Wettbewerb, der keiner war.

Mojave-Wüste. 3 Fuldaer Jungs aus Dipperz, Istergiesel und Hünfeld waren mit 8 weiteren Studenten-Freunde am 12. September 2021 Teil des Finales bei „Not – A – Boring – Competition“. Die 11 klugen Köpfe hofften in der Mojave-Wüste für Elon Musks „Boring Company“ auf einen Sieg.

Vor Ort hatte das Team laut Veranstaltungsplanung 6 Tage Zeit, die Bohrung ihrer Tunnelbaumaschine vorzubereiten. Bereits an Tag eins wurde die von den Teams eingeplante Zeit als Überraschung durch eine Fahrt im Vegas Loop und Besichtigung des Headquarters der „Boring-Company“ spontan gestrichen. Damit konnte das Team jedoch gut leben. „Diese spannende und einzigartige Einladung von Elon Musk war es wert“, Martin Will aus Dipperz.

Davon haben sich die Jungs nicht aus der Bahn werfen lassen. Auch an den 5 übrigen Tagen arbeiteten die jungen Studenten täglich an ihrem „Dirt Torpedo“. Zum Schluss reichte es jedoch nicht zum Sieg. Der Gewinner stand schnell fest. Die TU München hat das Rennen gemacht und den Sieg dennoch nach Deutschland geholt. Das Team „TUM Boring“ waren die einzigen Teilnehmer, die letztendlich vor Ort gebohrt haben.

Kein weiteres Team hat Ihre Tunnelbohrmaschine in die Startgrube heben dürfen oder heben wollen.
In der Vorbereitung mussten die Jungs vor Ort einige Safety-Checks durchlaufen. Die ersten wurden mit Bravour bestanden. Der Veranstalter hatte seine Anforderung vor Ort jedoch unerwartet und ohne Ankündigung hochgeschraubt. Teamleiter Adrian Fleck: „Ein kleines technisches Problem an den aufblasbaren Luftkissen hat uns am Ende aber das Genick gebrochen.“

Neue Aprovements mussten immer wieder her. Neue Berechnungen. Neue Programmierungen. Dafür fehlte aber den 11 klugen Köpfen einfach die Man-Power. „Wir haben alles erdenklich Mögliche getan, unseren Bohrer doch noch unter die Erde zu bringen, haben die ganze Nacht vor dem Finale durchgearbeitet.“ so Daniel Klassen aus Hünfeld. Die Motivation und der Wille war da. Die Infrastruktur und Organisation seitens des Veranstalters rund um die Boring Company des Tech-Milliardärs Elon Musk leider nicht ausreichend.

Nach ersten Safety-Checks mit den entscheidenden Ingenieuren und Jury-Mitgliedern wusste das Team, dass es zu den Favoriten gehört. Großes Interesse von Seiten der Boring-Company bestand, dass nicht nur die TU München bohrt, auch der Dirt Torpedo sollte in der Mojave Wüste im Sand versenkt werden. „Wir sehen euch unter den Top drei“, hatten die Verantwortlichen immer wieder betont. Leider folgt ein „aber“.

 

Die Tunnelbohrmaschine der Dirt Torpedos stand startklar bereit neben der Startplattform. Lediglich ein letztes Technik-Approvement hat gefehlt. Manuell hätte die Maschine gestartet werden können. Sie war bereit für ihren Einsatz im Wüstensand. Wenige Stunden vor dem Startschuss kam eine Anforderung des Wettbewerbs, dass sie technisch gestartet werden muss. Hier hat schlicht und einfach die Man-Power gefehlt um diese Programmierung vor Ort noch möglich zu machen.

Vor Ort war Musk nicht. Er sei zu beschäftigt haben die Veranstalter bekannt gegeben. Die Jungs wären für eine Vorstellung ihrer innovativen Tunnelbohr-Idee des Dirt Torpedos vorbereitet gewesen.

Es mag ein Traum vielleicht geplatzt sein, aber dennoch gehen die Dirt Torpedos als Gewinner aus der Competition für sich selbst raus. Stolz und Selbstachtung überwiegen Wut und Traurigkeit. Ganz klar.