Mein "Lieber Schorli" - Hannheinehof

Nachhaltigkeit in zehnter Generation

 

Im vergangenen Jahr gründete Christoph Jestädt eine Bio-Betrieb GmbH, die der Jungunternehmer neben seinem landwirtschaftlichen Hof betreibt. Der 30-Jährige hat sich der Vermarktung von regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln verschrieben. Mittlerweile vertreibt das Start-up 150 Produkte von 26 regionalen Erzeugern und beliefert 240 Kunden aus Gastronomie und dem Lebensmitteleinzelhandel in ganz Hessen und Nordbayern.

 

 

Im Sortiment finden sich unter anderem die Erzeugnisse der Beerenobstgemeinschaft Rhön-Vogelsberg, bei der Jestädt selbst Mitglied ist. Ein weiteres wichtiges Produkt ist der Saft der Rhöner Apfelinitiative. Der Bio-Landwirt ist im Vorstand in diesem Verein zum Schutz von Streuobstwiesen.

Über die Apfelinitiative wurden mittlerweile rund 1000 Streuobstwiesenbesitzer aus der ganzen Rhön biozertifiziert. Die Apfelbauern bringen ihre Ernte mit bis zu 300 verschiedenen Apfelsorten zu regionalen Keltereien und erhalten hier einen höheren Preis als marktüblich. „Unser Ansatz ist es, den wichtigen Lebensraum Streuobstwiese zu erhalten, indem wir ihn wirtschaftlich nutzen. Der höhere Preis und der regionale Vertrieb machen es für die Apfelbauern interessanter, ihre Wiesen zu pflegen“, erklärt Jestädt. Um immer mehr Menschen für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, hat er gemeinsam mit Freunden das Filmfestival „Wiesenflimmern“ ins Leben gerufen. Hier werden in der schönen Atmosphäre seiner eigenen Wiese Kurzfilme gezeigt und die Gäste mit Cocktails und regionalem Essen verwöhnt. Mit dem Erlös werden neue Streuobstwiesen angelegt.

 

 

Mehrere Standbeine

 

Ein weiteres Projekt ist die Weinschorle „Lieber Schorli“. Das Konterfei eines Wiedehopfes ziert das Etikett. „Dieser Vogel hat früher in den Weinbergen gelebt und ist bei uns mittlerweile so gut wie ausgestorben.“ Ein Teil des Erlöses von „Lieber Schorli“ geht übrigens direkt an den Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Mit dem Geld werden natürliche Lebensräume für den Wiedehopf und andere Tiere angelegt. Seit Start des Verkaufs im März 2019 kamen bereits 6000 Euro an Spendengeldern zusammen.

„Mein Biohof und meine GmbH sind so vielfältig wie eine Streuobstwiese, die ebenfalls von ihrer Diversität lebt. Ich setze auf viele Standbeine. Wenn es mal Spätfrost gibt, sind immer nur einige Apfelsorten betroffen. Andere sind bereits verblüht oder haben noch nicht geblüht“, erklärt Christoph Jestädt sein ökologisches und wirtschaftliches Verständnis von Nachhaltigkeit. Diese Strategie funktioniert übrigens auch in der Corona-Krise: „Einige Betriebszweige sind zwar rückläufig, andere haben sich dafür stark entwickelt.“

 

 

In Generationen denken

 

Auch Investitionen sind langfristig angelegt – ganz wie bei einem Baum, der heute auf seiner Wiese gepflanzt wird und der erst in 20 Jahren voll trägt. „Mir ist es wichtig, dass unser Hof langfristig von meinen Projekten profitiert, so wie ich von der Arbeit meines Vaters und Großvaters. Wir versuchen stets, in Generationen und nicht in Quartalen zu denken“, lautet die Philosophie dahinter. Denn den Generationenvertrag zu erfüllen ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche soziale, ökonomische und ökologische Zukunft der nächsten Generationen, ist Christoph Jestädt überzeugt. Übrigens, im Wettbewerb um den Hessischen Gründerpreis hat der Hannheinehof das Halbfinale in der Kategorie „Zukunftsfähige Nachfolge“
erreicht.

 

 

Christoph Burkard, www.region-fulda.de