Nachbericht: Engineering-Forum Fulda

Gut 60 Unternehmer und Führungskräfte aus der heimischen Industrie nahmen am 2. Engineering-Forum des Engineering-High-Tech-Cluster Fulda e.V. im 3G Kompetenzzentrum Fulda zum Thema „Produktion 4.0“ teil. Quintessenz der ganztägigen Veranstaltung: Industrie 4.0 ist schon längst kein gehyptes Modephänomen mehr, sondern gelebte Wirklichkeit.

IHK Präsident Bernhard Juchheim, gleichzeitig auch Vorsitzender des Engineering-High-Tech-Clusters, begrüßte die Teilnehmer nicht nur zum Forum, sondern auch zum 10-jährigen Bestehen des Vereins. Er betonte, dass insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen noch Nachholbedarf bei der Umsetzung der Digitalisierung hätten. „Ich sehe es auch als meine Verantwortung als Präsident der Industrie- und Handelskammer an, hier wirtschaftsfördernd Hilfestellung zu geben.“ Und Hilfestellung im Sinne von wissenschaftlichem Input und praktischen Erfahrungsberichten erhielten die Teilnehmer einen ganzen Tag lang.

 

Arne Linnemüller von der PricewaterhouseCoopers AG (PwC) betonte, dass die Digitalisierung nicht nur technologieorientiert, sondern insbesondere auch als kulturelles Thema zu betrachten sei. Die digitale Transformation sei ein nachhaltiger Treiber für die Veränderung von Geschäftsmodellen. Als Beispiel nannte der Experte die Vision, wonach das Automobil als Instrument zum Datensammeln den Kunden geschenkt werde - diese sich aber im Umkehrschluss verpflichten müssen, eigene Daten an den Verkäufer zu liefern. Die Wertschöpfung erfolge über die Daten selbst. 30 Prozent der Unternehmen stünden der Digitalisierung noch abwartend gegenüber, 50 Prozent seien unentschlossen und 20 Prozent könnten als Vorreiter bezeichnet werden. Am Beispiel des Thermomixes, den er als das „iPhone aus Wuppertal“ bezeichnete, machte Linnemüller deutlich, welche digitalen Geschäftsmodelle sich rund um die Küchenmaschinen entwickelt haben.

 

In das Reich der Mitte führte der Blick von Jost Wübbeke von der Sinolytics GmbH. Er stellte den Masterplan für die intelligente Produktion der Chinesen unter der Überschrift „Made in China 2025“ vor. Ziel dieser Strategie sei es, China zu einer reellen Supermacht zu entwickeln. In vielen Feldern sei China mittlerweile Innovationstreiber. Der riesige chinesische Markt biete momentan eine einzigartige Chance für Industrie 4.0-Technologie aus Deutschland. Allerdings sei dies ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite sei der Markt noch nicht komplett geöffnet, auf der anderen Seite versuchten die Chinesen langfristig ausländischen Technologie durch einheimische Marken zu ersetzen. Jeder Unternehmer müsse für sich eine Chancen- und Risikenabwägung vornehmen, wenn er sich auf dem chinesischen Markt bewege.

 

Einen Blick in die digitale Arbeit der Zukunft wagte Dr. Moritz Hämmerle, Direktor des Fraunhofer IAO in Stuttgart. Mit Blick auf die Einführung von Industrie 4.0 betonte der Wissenschaftler, dass es dieses nicht in einem Kaufhaus gebe. „Sie müssen es selbst verstehen und Sie brauchen Netzwerke. Digitalisierung ist nicht nur unsichtbar, es wirkt auch nicht sofort.“ Entscheidend bei der Einführung von digitalen Assistenzsystemen in die Produktion sei die Frage, wer den Hut aufhabe - die Technik oder die Mitarbeiter. Anhand von zahlreichen Beispielen und Demonstratoren erläuterte Dr. Hämmerle wie sinnvoll eingesetzte Assistenzsysteme die Produktionsmitarbeiter fördern und entlasten können. So gebe es bereits jetzt Lösungen zur Schichtplanung nach dem Prinzip von WhatsApp und Doodle.

 

Wie man insbesondere bei weltweiten Service- und Wartungsarbeiten mit der Virtual Reality Technologie Kosten sparen und neue Dienstleistungen anbieten kann, zeigte Nils Arnold von der Adtance GmbH. Dank dieser Technologie sei es beispielsweise möglich, eine Art Fernwartung zu betreiben ohne, dass ein Mitarbeiter direkt beim Kunden vor Ort eingebunden werde. Wie digitale Optimierung direkt an den Produktionsstraßen funktionieren kann, erläuterte Dr. Frank Breitenbach von der EDAG Production Solutions. Er zeigte Lösungen auf, bei welchen quasi in Echtzeit Maschinendaten erhoben und zukünftige Ausfälle prognostiziert werden können.

 

Abschließend führte Christian Kohlschein vom Cybernetics Lab der RWTH Aachen in die Welt der künstlichen Intelligenz ein. Daten, so Kohlschein, seien das Öl des 21. Jahrhunderts und die Datenanalyse die Verbrennungsmaschine. Wie weit Künstliche Intelligenz bereits gehe, zeige die Tatsache, dass nicht nur der Schachweltmeister sondern auch der Champion des japanischen Spiels Go vom Computer geschlagen worden sei.

 

Clustermanager Christian Vey, der auch als Moderator durchs Programm führte, stellte gemeinsam mit Peter van den Tol von der Peter Bash Industry 4.0 GmbH stellten das neue Format „EHC Innovation Circle“ vor, mit dem die heimischen Technologie-Unternehmen intensiver vernetzt und schließlich auch gemeinsame Entwicklungsprojekte verwirklicht werden sollen. Das erste Treffen ist am 15. Mai um 14.00 Uhr im 3G kompetenzzentrum in Fulda. Weitere Informationen www.eh-cluster.de

 

 

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