Vorgestellt: Fuldaer Fayence-Manufaktur

Vom 13. März bis zum 31. Mai zeigt das Vonderau Museum unter dem Titel „Made in FD – Spitzentechnologie aus der Fuldaer Fayence-Manufaktur (1741–1760)“ eine Ausstellung mit Erzeugnissen aus dieser Phase. Voraussetzung für die Produktion der wertvollen Fayencen war ein High-Tech-Verfahren der damaligen Zeit. Es ermöglichte, weißglasierte Tonerzeugnisse mit Emaillefarben zu verzieren. Zwei Persönlichkeiten waren maßgeblich für den Erfolg verantwortlich: Fürstabt Amand von Buseck und der berühmte Schmelzmaler Adam Friedrich von Löwenfinck. 1741 kreuzten sich die Wege der beiden Männer – der eine kunstinteressiert und für seine Zeit sehr fortschrittlich, der andere ein eigenwilliger, aber äußerst begnadeter Künstler, der bei seinen Mitmenschen und der Obrigkeit immer wieder aneckte und deshalb häufig auf der Flucht war. So auch im Jahr 1741: Von Löwenfinck verzierte erfolgreich das weiße Gold im sächsischen Meißen, als er sich mit dem Sachsenkönig überwarf und über Bayreuth nach Fulda floh. Von Buseck wusste, dass der Künstler wertvolles Wissen über die teuren Emaillefarben besaß, mit denen das Meißner Porzellan verziert wurde. Vor diesem Hintergrund bot der Fürstabt ihm nicht nur Asyl, sondern ermöglichte ihm, in Fulda eine Fayence-Manufaktur aufzubauen. 

 


Innovationen überzeugten

Beim Porzellan mit seinen glatten, durchscheinenden Oberflächen werden Glasur und Material bei Temperaturen bis zu 1500 Grad miteinander verschmolzen. Im Unterschied dazu werden Fayencen (Irdenware) bei bis zu 1200 Grad gebrannt und nachträglich mit einer weichen Glasur versehen. Allerdings konnten nur vier Grundfarben verwendet werden. Zudem blieb das Material nach dem Brand porös, die Glasur stoßempfindlich. Adam Friedrich von Löwenfinck gelang es, Fayencen mit Porzellanfarben zu verzieren, ohne sie beim Brennen zu beschädigen. Dazu nutzte er ein spezielles Verfahren. Der gebrannte Ton wurde mit Zinnoxidglasur überzogen und konnte anschließend mit der ganzen Bandbreite der Porzellanfarben bearbeitet werden.

 


Original made-in-fd

Bis zu 20 Mitarbeiter fertigten auf dem Gelände zwischen Schlosstheater und Studentenwohnheim am Heinrich-von-Bibra-Platz, dort wo sich früher das städtische Hallenbad befand, die Fuldaer Fayence-Produkte. Alle waren versehen mit den Buchstaben FD, also original made-in-fd. Von Löwenfinck verließ die Stadt übrigens schon 1744 wieder. Die Manufaktur stellte noch bis 1760 Fuldaer Fayencen her – nach Expertenmeinung die besten der damaligen Zeit. Ihre Qualität war so gut, dass sie kaum von Porzellan zu unterscheiden war. Weil sie so selten sind, sind die Fayencen aus Fulda sehr wertvoll. Alle namhaften Kunstmuseen weltweit zeigen heute noch Exemplare mit der bunten Malerei, darunter das Metropolitan Museum of Arts in New York, das Victoria & Albert Museum in London, das Museum für Angewandte Kunst in Köln oder das Deutsche Keramikmuseum in Düsseldorf. Die Menschen der Region haben dagegen die Chance, die wertvollen Stücke im Vonderau Museum zu bewundern, also quasi gleich vor der Haustür.